Cannabis und Testosteron: Der Effekt von Kiffen auf deine Hormone5 Minuten Lesezeit

Cannabis und Testosteron: Der Effekt von Kiffen auf deine Hormone5 Minuten Lesezeit

Es wird viel spekuliert über den Zusammenhang zwischen Kiffen und Testosteron. Der Mythos hält sich hartnäckig, dass Cannabis Testosteron senkt, Männerbrüste verursacht, Östrogen erhöht und unfruchtbar macht.

Doch was ist da tatsächlich dran?

In diesem Artikel werfen wir einen Blick hinter die Legenden und schauen uns an, was die Wissenschaft dazu sagt.

Du wirst genau wissen, wie sich Cannabis auf die Testosteronwerte und männliche Gesundheit auswirkt.

Senkt Cannabis Testosteron?

Gerade in Fitnessstudios hört man immer wieder, dass Cannabis den Muskelaufbau behindere, weil es Testosteron senkt.

Und tatsächlich gibt es einige Studien, die den Schluss zulassen, dass sich Gras negativ auf den Testosteronspiegel auswirkt:

  • In einer wurden männliche Ratten für 36 Tage mit einem Cannabis-Extrakt gefüttert. Abhängig von der Dosierung sanken die Testosteronwerte. Hohe Mengen (3mg pro kg Körpergewicht) halbierten sie sogar. (Studie)
  • Bei Männern, die 10mg THC intravenös verabreicht bekamen, sanken die Testosteronspiegel signifikant. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten sie 36% niedrigere Werte. (Studie)
  • Bei College-Studenten konnten keine Unterschiede in den Testosteronwerten festgestellt werden, als die Forscher regelmäßige Raucher mit Nicht-Rauchern verglichen. (Studie)
  • Anders sah die Sache in folgender Studie aus: Männer zwischen 18-28, die mindestens 4 Tage pro Woche (und das über 6 Monate hinweg) Gras rauchten, hatten 44% geringere T-Werte, als Nicht-Raucher. (Studie)

Dazu muss gesagt werden, dass die Ermittlung von Testosteronwerten immer eine Momentaufnahme ist und keine fixe Zahl.

Die Testosteronspiegel schwanken sehr stark den Tag über und können schnell durch verschiedenste Faktoren beeinflusst werden – durch die Nahrung, durch die Menge an Schlaf, durch Training etc.

Und Gras ist einer dieser Faktoren, der die Testosteronwerte schwanken lässt, aber auch nicht mehr als das. Denn es senkt sie nicht dauerhaft.

Die Studien zeigen, dass der negative Effekt nur temporär ist und dass sich die Werte wieder erholen.

Wie senkt Cannabis Testosteron?

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Wirkstoff THC für das Absinken verantwortlich ist.

Denn er behindert nicht nur verschiedenste testikuläre Hormone und Enzyme, sondern blockiert auch GnRH. (Studie)

GnRH (gonadotropin releasing hormone) löst die Testosteronproduktion aus. Es stimuliert die Synthese zweier Vorläufer von Testosteron: LH (luteinizing hormone) und FSH (follicle stimulating hormone).

Wenn dieses GnRH unterdrückt wird, fehlt dementsprechend das Signal, das die Testo-Produktion in Gang setzt.

Der zweite kritische Faktor ist, dass THC paradoxerweise das Stresshormon Cortisol steigert. Studienteilnehmern, denen dieser Stoff intravenös verabreicht wird, erleben einen dosisabhängigen Anstieg des Stresshormons. (Studie)

Und wie du weißt, ist Cortisol ein direkter Gegenspieler von Testosteron, der die Produktion hemmt.

Aber auch hier gilt wieder: Der Anstieg des Stresshormons war nur kurzfristig und nicht andauernd.

Führt Cannabis zu Männerbrüsten?

Und das bringt uns zum nächsten berühmten Mythos: Gras verursacht Männerbrüste.

Diese Legende ist schon sehr alt und ihre Wurzeln finden sich in den 70er Jahren: Dort wurden einige Studien durchgeführt, die zeigten, dass Marihuana Extrakt östrogenähnliche Wirkung auf isolierte Rattenzellen hatte. (Studie) Der Schluss liegt also nahe: Denn ein erhöhter Östrogenspiegel kann bei Männern in der Tat zu Männerbrüsten führen.

Doch diese Studien wurden im Reagenzglas durchgeführt und ihre Ergebnisse konnten in anderen, „realistischeren“ Szenarien nicht bestätigt werden. (Studie)

So gibt es keine Studien mit Tieren oder Menschen, die zeigen, dass Cannabis eine östrogenähnliche Wirkung hat und somit zu Männerbrüsten führt.

Am Ende ist es auch nur ein natürliches Kraut. Und es ist nicht zu erwarten, dass ein einzelnes Kraut (bei unregelmäßigem Gebrauch) in der Lage ist, die Hormone derart drastisch zu beeinflussen. Ob negativ oder positiv. 

Schadet Cannabis den Spermien und der Furchtbarkeit?

Die klassischen Überschriften zu dem Thema zeichnen ein sehr eindeutiges Bild:

Je mehr man kifft, desto eher ist man unfruchtbar

Marihuana verändert Spermien junger Männer

Wie Cannabis die männliche Fruchtbarkeit stört

Zwar gibt es auch hier noch die andere Seite, doch die Beweislage verdichtet sich, dass sich Cannabis negativ aus die Spermienqualität auswirkt.

Eine der umfassendsten Studien dazu stammt aus Dänemark. Dort wurden über 4 Jahre Männer zwischen 18 und 28 untersucht.

Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt, anhängig von ihrem Cannabiskonsum.

  1. Gruppe: Nicht-Raucher
  2. Gruppe: 1x pro Woche
  3. Gruppe: Mehr als 1x pro Woche

Die Teilnehmer, die mehr als einmal pro Woche Gras rauchten, hatten eine um 28% niedrigere Spermakonzentration. (Studie)

Und auch andere Studien lassen den Schluss zu, dass Cannabis die Spermienzahl und -beweglichkeit negativ beeinflusst. (Studie)

Ist also an der alten Woodstockweisheit „Joint ersetzt Gummi“ was dran?
Nein.

Aber: Wer die Absicht hat ein Kind zu bekommen, ist gut beraten, rechtzeitig aufzuhören Gras zu rauchen. Es braucht ca. 3 Monate um das alte, eventuell invalide gewordene Sperma vollständig durch frisches zu ersetzen. Man sollte also im Juni aufhören, um im August Verbesserungen zu sehen. (Mehr)

Fazit: Die Dosis macht das Gift

Am Ende kommt es darauf an wie viel du rauchst.

Die Studien zeigen sehr klar, dass unregelmäßiger Konsum keinen Unterschied macht, da sich die Werte nach einem kleinen Tief wieder erholen.

Bei starkem, regelmäßigem Konsum sieht die Lage dagegen anders aus.

Daher ist die Antwort auf die Fragen „senkt Cannabis Testosteron?“, „behindert es den Muskelaufbau“, „führt es zu Männerbrüsten??“ – es kommt drauf an.

Bei unregelmäßigem Konsum wird es keinerlei Unterschied machen, da es Testosteron nicht dauerhaft senkt, sondern nur punktuell. Somit wird es sich auch nicht signifikant auf den Muskelaufbau auswirken. (Abgesehen davon, dass es eventuell deine Trainingsmotivation mindert)

Außerdem senkt es Testosteron nicht so drastisch wie oft behauptet und längst nicht so bedenklich, dass Rauchen zu Männerbrüsten führt.

 

 

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